Chronik 1920-1939

Die Geschichte II.Teil (1920 – 1939)

Nachdem sich 1920 die noch vorhandenen Mitglieder der Gesellschaft wieder zusammengefunden hatten, wurden 1921 die ersten zaghaften Schritte in der Öffentlichkeit gewagt.

In den folgenden Jahren wurden in der Gastätte „Vith Gilles“ bei Wefers wieder ein Kappen -Abend abgehalten.

Durch die schwierige Wirtschaftslage in den zwanziger Jahren fristete jedoch das gesellschaftliche und insbesondere das karnevalistische Leben ein Schattendasein. Das Überleben in dieser Zeit stand im Vordergrund und die finanziellen Probleme hemmten das Vereinsleben verständlicherweise.

Erst in den dreißiger Jahren erfuhr die Gesellschaft einen generellen Umschwung, da sich der„Fastelovend“ wieder stärker in den Köpfen der Menschen festsetzte und der Spaß und die Freude wieder stärker in den Vordergrund rückten.

Für die Poether Karnevalisten kam der Durchbruch bei einem besonderen Anlass.

Die Goldhochzeit von Adam und Tring Jennen stand an und es fand sich kein Festkomitee zusammen. So wurde die Organisation kurzerhand von der Karnevalsgesellschaft übernommen und mit Bravur gemeistert.

Die zur Finanzierung der Festlichkeiten abgehaltene „Poether Weinwoche“ brachte alle Bürger der Umgebung auf die Beine. Der Erfolg der Pothäepel war groß, von einem auf den anderen Tag war die Gesellschaft wieder in aller Munde und fand in Venn die begeisterte Unterstützung, die ihr für Jahre untersagt war.

Federführend für diese glanzvollen Jahre waren besonders:

Peter Coenen, Matthias Hilgers und Fritz Jansen

Eine besonders amüsante Episode aus diesen Jahren ist eine Geschichte während des Veilchendienstagszuges,
wobei der Gesellschaftswagen De Buure Komme eine besondere Rolle spielt.

Aus Gründen der Originalität wurden 2 Ochsen vor den Wagen gespannt. Auf der oberen Hindenburgstrasse legten sich die Ochsen so ins Geschirr, dass nach dem „Flachlegen“ eines Laternenmastes, der Zughaken riss. Nachdem dieser mit viel Draht notdürftig repariert war, hatten die Ochsen die Lust am „Zugdienst“ verloren und waren zu keinem weitern Schritt zu überreden. Erst nach Abtransport der beiden durch einen Viehwagen und durch Einsatz von 2 Pferden konnte die Weiterfahrt stattfinden.

Am Sonntag den 09.02.1936 fand beim Wirten Martin Meurer , Poeth 45 die „Grosse Gala-Damen-Sitzung“ zum Eintrittspreis von 30 Pfg. statt. Diese Sitzung war den auch gleichzeitig die Jubiläumssitzung zum 25 jährigen Bestehen der Gesellschaft.

Am 24.02.36 wurde dann an gleicher Stelle eine „öffentliche Tanzlustbarkeit“ veranstaltet. Laut der Genehmigungsurkunde des Polizeipräsidenten von Mönchengladbach-Rheydt war aber darauf zu achten, dass „Mit dem Tanz erst nachmittags begonnen werde“.

Große-Damen-Galasitzung im Saale vom neuen Wirten in Poeth, Peter Claßen“ stand auf den Plakaten für Sonntag den 07.02.1937.
Mitwirkende: „Die besten Humoristen aus der Seidenstadt Krefeld
Eintritt: „Vorverkauf 50 Pfg. – an der Kasse 60 Pfg. einschließlich Programm und Mütze“

Büttenmarsch 1937

Hau op dä Rummelspott
Bös dat hä knatsch kapott
Fastelovend eß niemes gescheet
Net en Poeth, net em Venn,
Wahl im Reedt.
Hau op dä Rummelspott
Bös dat hä knatsch kapott.
En dem Rönn`ter, en der Duis,
En der Hött:
Dont se alle möt !

Der 11er Rat im Jahre 1938

  • Hilgers Matthias     (Präsident)
  • Offersberg Johann  (Schatzmeister)
  • Lenzen Johann       (Hoppediz)
  • Herbarts Josef
  • Winkels Peter
  • Garden Fran
  • Schatto Conrad
  • Wilms Lorenz
  • Fritz Adolf
  • Zing Hans
  • Wihlem Gehards Heinrich

Inventarliste der KG im Jahr 1938

12 Elferratsmützen
2 Kerzenalter
1 Tintenfass

1 Holzfuder
2 Stempel
1 Stempelkissen

 

22.Januar 1938
Einladung zur „Großveranstaltung des Karnevals-Ausschuss der Stadt Mönchengladbach“ in der Volksgartenhalle.

Zitat aus dem Ladungsschreiben:
Sie wollen bitte dafür sorge tragen, dass Zeit und Ordnung unbedingt eingehalten wird, damit diese von unserem Oberbürgermeister gewünschte Sitzung die große Linie des Gladbacher Karnevals zeigt“

Am 30. Januar und am 27. Februar fanden auch in diesem Jahr wieder die „Großen-Damen-Gala-Sitzung“ statt. Motto der Session:

„Lot die Möll kieme, un treck de Lüt net dur de Täng“
(„ Anschließend haue werr op dä Bäer“ )

 

Pressebericht zur Sitzung vom 30.01.38

Die Poether „Pothäepel“ in voller Blüte

Schon weit vor Beginn der Sitzung war der schön dekorierte Saal von Claßen voll gestopft mit einer fröhlichen Narrenschar. Wenn die „Poether an zu kieme fange“, ist ganz Poeth und Umgebung aus Rand und Band. Als um 19.11 Uhr der Elferrat durch die dichten Reihen der Narren einmarschierte, wollte das Singen und Schunkeln kein Ende nehmen. Nur mit Mühe gelang es dem Präsidenten Math. Hilgers, sich Gehör zu verschaffen. Schon bald nach der Begrüßung des Narrenvolkes wurde vom Elferratsmitglied Heinr. Gerads der närrische Jahresbericht vorgetragen. Hermann Sudhaus eroberte schon mit seiner ersten Büttenrede „Der Verdötschte“ die Herzen aller Narren. Willy Becker hatte mit dem „Ehestandsdarlehen“ großen Erfolg. Dafür ließ der Präsident die erste Rakete steigen. Frau Sofie Bongartz wurde mit Taschentücher- schwenken ganz begeistert empfangen. In der Rede des „Geistreichen“ von Schang Roselle lag viel Witz und Humor. Nach einer Pause führte Willy Becker sein Panoptikum vor. Hermann Sudhaus mit seinem dämlich wirkenden Gesicht brachte das Zwerchfell von manchem Narren bald in Erschütterung. Aber danach wurde es den Herren doch etwas ungemütlich. Frau Sofie Bongartz ließ kein gutes Haar an den Herren. Von ihrer „Herrenrede“ waren die Damen sehr begeistert. Den Reigen der Büttenredner beschloß Schang Rosell mit „dem Hase, der gar nichts weiß“.

Am 19.Februar wurde auch ein „Karnevalsball“ bei Claßen unter der Mitwirkung des Prinzenpaars der Stadt Mönchengladbach „Prinz Hans I.„ und iherer Lieblichkeit „Niersia III.“ ausgerichtet.

Eine Besonderheit für das Jahr 1938 fand am 30.12. des Jahres statt. Laut Meldung an den Festausschuss M.Gladbacher-Karneval fand folgende Veranstaltung statt:

19.11 Uhr Großer Funkenball

Lokal Peter Claßen, Poeth

Leiter : Die Damen-Funkengarde der Poether Pothäepel

Leider sind zu dieser Kooperation keine weitere Unterlagen in den Archiven zu finden, wodurch auch keine nähere Angaben über diese Funkengarde zu machen sind.

Wissenswert ist auch das 1939 im Brunen – Saal zu Rönneter die „Erste Gala-Damen-Sitzung“ der Karnevalsgesellschaft „Rönneter Tipp-Topp“ stattfand. Leiter dieser Veranstaltung war Peter Stachelhaus aus der Duis. Die Poether Jungen ließen sich eine solche Einladung aus der Nachbarortschaft natürlich nicht entgehen um den Mädels den Kopf zu verdrehen.

Leider bestand diese, sich aus der Rönneterer Hubertus Bruderschaft entwickelnde Gesellschaft, nur dieses eine Jahr, da neues Unheil wieder alles auf zerstörte.

Durch Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde dem Aufschwung wieder ein jähes Ende bereitet.