Chronik 1911-1914

Die Geschichte I.Teil (1911 – 1914)

Alles begann 1910 in Hamern am „Döre Strüxke“. Diese alte Baumgruppe ist heute nur noch durch den Namen der gleichnamigen Gaststätte bei der Bevölkerung ein Begriff. An diesem Ort trafen sich nun einige junge Männer aus Poeth, die zuvor im Lokal „Zum gildenen Schneuz“ bei Corres Theijes kräftig dem „Klaren“ zugesprochen hatten.

Bei dieser geselligen Zusammenkunft kam man überein, in der bevorstehenden Karnevalssession einmal kräftig auf die Pauke zu hauen.

Dieses geschah dann auch dergestalt, dass man die damals noch recht spärlichen karnevalistischen Veranstaltungen der näheren und weiteren Umgebung so ziemlich alle besuchte. Der krönende Abschluss bildete der Besuch des Rosenmontagszuges in der Urzelle des rheinischen Frohsinns zu Köln.

So nahm dann die Gründungsgeschichte ihren Lauf.

Schon auf dem nächsten nach-karnevalistischen Frühschoppen in Poeth bei

„Vith Gilles“ ( Spitzname der Gaststätte von Leonhard Wefers, dem Bruder des Findelkind-Verfassers, Michael Wefers), fielen dann die bedeutungsvollen Worte :

„ Watt die angere könne, dat könne wir all lang !“

Diesen bedeutenden Entschluss trug man sofort dem Wirten Leonard „d´r griese Esel“ und seiner Gattin „et Kiesmieske“ mit. Diese waren von dieser Idee sofort hellauf begeistert.

Auf Betreiben von Rudolf Göttschkes, der als Ur-Vater der Gesellschaft angesehen werden kann, wurde dann Anfang 1911 die Gesellschaft gegründet. Durch die damals noch sehr ländliche Umgebung und die sich Umkreis befindlichen Äcker, wurde als Namen „Poether Pothäepel“ (Poether Pflanzkartoffeln) gewählt.

Symbol und Erkennungszeichen der neugegründeten Gesellschaft wurde ein „Äepels-Kopp“ (Kartoffelkopf) mit Till-Mütze und einem fünfzackigen Latz mit Namenszug.

So wurden die Weichen für die Zukunft gestellt und die Poether hatten als fünfte Ortschaft in Mönchengladbach eine eigene Karnevalsgesellschaft [Zum Vergleich – 2002 waren es in Mönchengladbach 46 Karnevalsgesellschaften ]

Als erste Mitglieder trugen sich folgende Personen ein:

  • Argus, Adolf – d`r Oaverjong
  • Bönnen, Heinrich – d`r sanfte Heinrich (Vorsitzender)
  • Coenen, Peter – d`r Lappelusch
  • Gendriesch, Wilhelm – d`r halve Meter
  • Göttschkes, Rudolf – et Ferkesuhr
  • Hinzen, Matthias – d`r elektrische Thiss
  • Kauven 1, Peter – d`r Tröt on Talpmajor (Schriftführer)
  • Kauven 2, Peter – d`r Kunstmööler
  • Schröders, Christian – Steegerboom Krees (Kassenverwalter)
  • Verhouven, Peter – d´r Indianerhäuptling
  • Zweipfennig, Peter – d´r Museumsdirektor

Schon 3 Wochen nach dem Gründungstag fand dann bei Wefers im „Poether Saalbau“ unter Leitung des ersten Präsidenten Heinrich Bönnen die erste Sitzung der Karnevalsgesellschaft Poether Pothäepel statt.

Dieses erste Programm wurde ausschließlich von den Mitgliedern bestritten. Satzungsgemäß hatte jedes Mitglied jährlich, entweder durch einen Vortrag oder durch ein Lied das Programm zu bereichern. Sollte dieses nicht der Fall sein, drohte eine saftige Geldstrafe.

Wurde dem Sitzungsprogramm keine eigene Einlage zugeführt, erhöhte sich der monatliche Beitrag von 11Pfg. auf 33Pfg.( Pfg.= Abkürzung für Pfennig, einer alten, früher in Deutschland gebräuchlichen, Währung; 11Pfg. entspricht heute ca. 0,06 € ).

Dank dieser Einrichtung verfügte die Gesellschaft in den ersten Jahren immer über ein reichhaltiges und preiswertes Programm.

Der heute bekannte und überall verbreitete Hoppediz war zu jener Zeit noch unbekannt. Die Künstler wurden vom „Profoß“, der auch für die Saalordnung zuständig war, in die Bütt geführt.

Büttenmarsch aus dem Gründungsjahr 1911:

Die Poether Jonges sind bekannt
in Stadt und auf dem Land.
Die Sitzung, die wird interessant
Hüet Ovend fänk et an.
Drum ihr Narren eilt herbei
mit Karnevalsgebraus.
Wenn Heinrich mit der Pritsche schlägt
dann wird noch mal gesaust.

Schlachtruf der Gesellschaft wurde bereits im Gründungsjahr :

„ De Möll kieme „

Der Schlachtruf soll hier einmal kurz erklärt werden da für viele die Bedeutung nicht mehr bekannt ist.

Die „Möll“ sind Keimlinge , das Wort „kieme“ ist nur die plattdeutsche Mundart für keimen.

Würde man diese Wortkreation nun einfach zusammenfügen ergebe sich der auch für Karnevalisten sinnlose Schlachtruf „Die Keimlinge keimen“.

Mit dem Schlachtruf soll aber mehr ein anderes Ziel angesprochen werden, frei Übersetz heißt er eigentlich nur „Die Kartoffeln keimen“. Als von einer Urkartoffel wachsen immer neue Triebe heraus und bilden wieder neue Kartoffeln. Genau so soll es auch im Gesellschaftsleben verstanden werden, es geht immer weiter und immer neue Leute sollen sich der Sache verschreiben.

Die erfolgreiche Sitzung des Gründungsjahres wurde natürlich im Folgejahr wiederholt.

Bereits im Jahr 1913 wurde durch den hohen Publikumsandrang der Saal in Poeth für einige Veranstaltungen zu klein und man wechselte für diese Sitzungen in das landwirtschaftliche Casino, nach Brunen in Rönneter.

Erwähnenswert aus den Statuten von 1911 ist der § 11, Abs. a)

„Mitglied der Gesellschaft kann nur sein, der unbeweibt ist.“

Aus jenen frühen Jahren stammt auch das „Klagelied der Poether Jungfrauen“:

„Poether Mädchen sind am ärmsten dran,
denn die kriegen keinen Mann.
Die Poether Jungen sind alle im Karnevalsverein
Müssen deshalb Junggeselle sein.“

Die Entwicklung der folgenden Jahre war jedoch stärker als die erwähnte „Schutz- und Sperrklausel“, zu deren Streichung man(n) sich schon 1913 gezwungen sah. Die Zahl der aktiven Mitglieder schwand zunehmend, da sich die Jungen im heiratsfähigen Alter befanden.

Zu erwähnen ist auch das Poether „Antiquitätenmuseum“ unter der Leitung von Peter Zweipfennig. In diesem „Museum“ wurden alle Gegenstände gesammelt die während der Session verloren gingen, oder bei einem Gelage vergessen wurde.

Auszug aus dem “Museumsführer” von 1914 über Ausstellungsstücke im „Museum Vith Gilles“ :

  1. Die Kordel welche Michel dem Rudi um den Leib band, damit ihm nicht die Hose ausfiel.
  2. Der Hut vom Oberkellner welcher er beim Streit mit Tiß verlor.
  3. Das Lied vom Kegelklub welches sie bei der Nacht am Fenster falsch sangen, worüber die Macht des Gesetzes erzürnte und beinahe protokolliert hätte.
  4. Das leere Portemonaie von Pitte, welches ihm D-Zug von Berlin kommend mit 20 Mark Inhalt nebst Fahrkarte von Taschendieben gemopst wurde.
  5. Die Kaiserkette die August dem Präsidenten bei Brunen umhing, als dieser vom Gesangwettstreit zurückkam.
  6. Das Stocheisen welches Bell benutzte um die Radaubrüder quitt zu werden.
  7. Der Malaka von Heinrich welcher Adolf mit leichter Mühe entzwei brach.
  8. Der Esskessel worüber Pitter sich die Nase kapot fiel.
  9. Das Stück Fleisch von Johann welches ihm gestohlen wurde, als er neben dem Schwein Wache hielt.
  10. Ein Stück vom Stock womit Ewald sich ringte als er meinte er hatte seinen Gegner gehabt.
  11. Der Ochsenschwanz, welcher Benedikt fühlte als er im Radschläger-Museum zu Düsseldorf am Telephon gewünscht wurde.
  12. Die überreste der Pomp welche dem Museums-Verein als ein bleibendes Andenken vermacht worden sind.
  13. Der Kragen welcher naß geschwitzt wurde bei der Ausführung dieses Wekers

Alle diese „Sammelwaren“ wurden jährlich im Vereinslokal ausgestellt und gegen ein geringes Entgeld allen Interessierten zur Besichtigung zugänglich gemacht. Wie man aus alten Quellen erfahren hat, soll der Besucherandrang zu diesem „Museumsevent „ immer sehr groß gewesen sein da eine besondere Neugier darin bestand, was, wann, wo, vom wem, wie und warum in diesem Fundus gelandet war.

Im Jahre 1914 wurde als Hauptattraktion am Rosenmontag ein „Grosser Indianer – Kampf gegen afrikanische Schutztruppen“ durchgeführt.

Programm:

  • Morgens 5 Uhr : Revielle
  • Punkt 8 Uhr : Antreten der Mitglieder im Vereinslokal
  • 8:30 Uhr : Abrücken der Schutztruppen und Indianer in ihre Lager
  • 10 Uhr : Abkochen auf freiem Felde
  • [Zu diesem Zweck hatte man eigens den Wurstkessel von Rolf Göttschkes „ et Ferkesuhr“ ausgebrochen und im Feld aufgebaut.]
  • 11 Uhr : Haupttreffen der Parteien
  • Punkt 12 Uhr : Aburteilung der verlierenden Partei mit Gerichtssitzung im ..Gesichtssaal des Vith Gilles
  • 1 Uhr : Einnehmen eines nahrhaften Dröpchen

Wie aus alten Quellen zu erfahren war, unterlagen bei diesem Manöver ausnahmsweise die „Roten“ und die „Weißen“ gewannen.

Bei der Sitzung am 11.01.1914 bei Vith Gilles wurde unter dem Motto „Lass sie sausen“ kräftig gefeiert.

Leider ist heute nicht mehr bekannt was dieses Motto aussagen sollte. Der „unbeweibt“ – Paragraph war doch gerade erst aufgehoben, oder vielleicht hatte sich einer der Jungens verguckt? Dieses wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.

Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde im Jahr 1914 die Vereinstätigkeit je unterbrochen. Dadurch kam die bis zu diesem Zeitpunkt hoffnungsvoll begonnene Entwicklung zum erliegen.